Magdeburger Spuren, Nr. 300

Albrecht von Syborg, Magdeburger Bürger und Besitzer des Gasthofes "Zum goldenen Arm", stellt zwei Quittungen über je 200 Taler aus, die gegen Vorlage dieses Wechsels vom Braunschweiger Bürgermeister Georg Achtermann in Braunschweig wieder ausgezahlt werden sollen, Magdeburg, 4. November 1630.

Die Quelle

Die unter der Signatur „Stadtarchiv Braunschweig, R 112“ im Stadtarchiv Braunschweig aufbewahrten Dokumente sind Teil zweier umfangreicher Aktenkonvolute, die Unterlagen über zahlreiche Geldgeschäfte des Rates der Stadt Magdeburg mit verschiedenen Privatpersonen, Familien und Institutionen sowie dem Rat der Stadt Braunschweig beinhalten.

Die beiden Wechsel wurden am 4. November 1630 in Magdeburg ausgestellt und sind im Wortlaut - abgesehen vom Namen des Empfängers - nahezu identisch. Sie sind mit Tinte in einer sauber ausgeführten deutschen Kurrentschrift auf Papier geschrieben. Unter dem Text befinden sich jeweils der Siegelabdruck sowie die eigenhändige Unterschrift des Ausstellers.

Der Hintergrund

Der Gasthof "Zum goldenen Arm" am Breiten Weg wird erstmals 1509 unter dem Besitzer Markus Schulte im Zusammenhang mit einer Schuldenregulierung erwähnt.[1] Im Februar 1626 beherbergte der Gasthof die kaiserlichen Generäle Heinrich Graf Schlick zu Bassano und Weißkirchen (1580-1650) und Johann Graf von Aldringen (1588-1634), die von Wallenstein mit der Besetzung Magdeburgs und Halberstadts beauftragt waren. Als Gäste des Rates waren sie zu Verhandlungen in der Stadt und wurden im besten Gasthof der Stadt untergebracht.[2]

Der „Goldene Arm“ befand sich an zentraler Stelle auf der Westseite des Breiten Weges, gegenüber vom Alten Markt. Der Ursprung der Bezeichnung bleibt im Dunkeln, meint aber das Hauszeichen, das faktisch als Adressangabe diente. Nicht nur in Magdeburg - aber hier in besonders vielfältigen Formen - existierten zahlreiche Häuser mit fantasievollen Namen.

Beispielsweise gab es auf dem Breiten Weg in unmittelbarer Nachbarschaft des „Goldenen Arms“ noch die Häuser „Zum grauen Wolf“, „Zum weißen Bracken“, „Zu den 3 Krebsen“ und „Zum Goldenen Ring“. In den vorgestellten Dokumenten erscheint Albrecht von Syborg als Besitzer des Gasthauses, der das auch nach der Zerstörung Magdeburgs bis 1639 bleibt. Seine Nachfolger sind Albrecht Friedrich von Syburg und spätestens ab 1679 dessen Witwe.

Die beiden Wechsel wurden wenige Monate vor der Zerstörung der Stadt ausgefertigt. Schon von August bis Oktober 1629 wurde diese durch kaiserliche Truppen unter Aldringen belagert. Zwar zogen die Truppen danach zunächst wieder ab, doch es war klar, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis die Truppen zurückkehren würden. Man schloss ein Bündnis mit Schweden und bereitete sich auf die Verteidigung der Stadt vor.

Die Wechsel wurden am 4. November ausgestellt und fanden offensichtlich noch ihren Weg nach Braunschweig, wo sie heute im Stadtarchiv aufbewahrt werden. Ab Ende November lagen kaiserliche Truppen unter Pappenheim vor der Stadt und belagerten sie bis zu ihrer Eroberung und Zerstörung am 20. Mai 1631.



[1] UB Magdeburg Bd. III, Halle 1896, Nr. 1429.

[2] E. Neubaue, Wallenstein und die Stadt Magdeburg, (Nachdruck des Originals von 1891), Paderborn 2015, S. 37f.

Die Wechsel

Beide Wechsel wurden von Albrecht von Syborg, Bürger und Gastwirt in Magdeburg, am 4. November 1630 ausgestellt. Beide beliefen sich über den Betrag von 200 Reichstalern. Den Empfängern der Wechsel, zum einen der Braunschweiger Bürger Hans Closs, zum anderen Friedrich Köpke, ein Handelsmann aus Braunschweig, wurde versichert, dass sie beim Braunschweiger Bürgermeister Georg (Jerge) Achtermann im Austausch für den Wechsel 200 Reichstaler erhalten würden. Für Friedrich Köpke hatte seinen wirth alhier – in Magdeburg – den genannten Geldbetrag an Albrecht von Syborg, den Aussteller des Wechsels, bezahlt.

Der praktische Nutzen liegt auf der Hand: In den gefährlichen Zeiten des Krieges konnte Geld zwischen den Handelszentren Braunschweig und Magdeburg transferiert werden, ohne dass gefahrvoll Bargeld an den feindlichen Soldaten vorbei transportiert werden musste.

Bedeutung der Quelle

Die vorgestellten Schriftstücke bringt Licht in die Geschichte eines bedeutsamen Hauses der Magdeburger Innenstadt. Darüber hinaus lassen sie erahnen, dass das Leben in der Stadt noch wenige Monate vor deren Zerstörung seinen normalen Gang ging. So setzte ein Magdeburger Gastwirt mitten im Dreißigjährigen Krieg noch hohe Geldsummen um und war kreditwürdig. Die Finanzbeziehungen zwischen Braunschweig und Magdeburg funktionierten bargeldlos, man akzeptierte Schuldverschreibungen.

Weiterführende Literatur:

- Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631-1720, Teil 1, Magdeburg 1931.

- Markus A. Denzel, Das System des bargeldlosen Zahlungsverkehrs europäischer Prägung vom Mittelalter bis 1914 (Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Beihefte; Nr. 201), Stuttgart 2008.

Transkription

[1. Wechsel]

Ich Albrecht von Syborch, bürger undt gastwirtth alhier zum Gülden Arm, bekenne mit dießes meiner quittung undt unterschriebenen handt undt petzschafft, das mich Hannß Cloß, bürger inn Braunschweigk, zweenehundert reichsthaler ausgetzahlet, zusage hiermit, daß solche 200 r[eichs]th[a]ll[er] von herrn burgermeister Jerge Achtermann gegen wieder außantworttung dießes meine von mir gegebenen revers in Braunschweigk sollen wieder außgeantworttet werden. Zu desto mehrer beglaubung habe ich dießen meinen revers mit eygenen handten unterschrieben undt mit meinem angebornen petzschafft besiegellt.

Datum Magdeburgk den 4. Novembris a[nn]o 1630.

[Siegel] Albrechth von Syborch

 [2. Wechsel]

Ich Albrecht von Syborch, bürger undt gastwirtth alhier zum Gülden Arm, bekenne mit dießer meiner quittung undt unterschriebenen handt undt petzschafft, das mich Friederich Köpke, bürger undt handelsmann inn Braunschweigk, mich durch seinen wirth alhier Adam Schröder zwenehundert reichsthaler austzehlen laßen. Zusage hiermitt, daß solche 200 r[eichs]th[a]ll[er] von herrn burgermeister Jerge Achtermann gegen wieder ausantworttung dießes meinen von mir gegebenen revers inn Braunschweigk sollen wieder ausgeantwortet werden. Zu mehrer beglaubung habe ich dießen meinen revers mit eygenen handten unterschrieben undt mit meinem angebornen petzschafft besiegelt.

Datum Magdeburgk den 4. Novembris anno 1630.

[Siegel] Albrechth von Syborch

Zitiervorschlag

Jens Kunze, Bargeldlose Zahlungen im Dreißigjährigen Krieg. Moderne Finanzdienstleistungen im Gasthof „Zum goldenen Arm“, https://www.magdeburger-spuren.de/de/detailansicht.html?sig=300 (30.11.2020)

Erschließungsinformationen

Signatur
300
Datierung
04.11.1630
Systematik 1
06.11 andere Bürger und Einwohner
Systematik 2
Geldangelegenheiten (privat)
Fundort
Stadtarchiv Braunschweig
Signatur Fundort
Stadtarchiv Braunschweig, R 112
Aktentitel
Magdeburger Schuldverschreibungen 1
Beschreibung
Ausfertigung, dt., Tinte auf Papier, Siegelabdruck, Kanzleivermerk (17. Jh.)